Einkommensanrechnung

Bei der Erziehungsrente und Hinterbliebenenrente (z. B. Witwenrente) wird unter bestimmten Bedingungen das Einkommen auf die Rente angerechnet.

Bei Hinterbliebenen, die noch berufstätig sind, gibt es hier eine Möglichkeit die Kürzung zu reduzieren.

Beispiel Erziehungsrente:

Wenn sich ein Ehepaar geschieden oder eine eingetragene Lebenspartnerschaft aufgelöst wird und der frühere Ehepartner oder Lebenspartner verstirbt, dann hat der überlebende Ehegatte / Lebenspartner einen Anspruch auf eine Erziehungsrente. Einzelheiten ergeben sich aus § 47 SGB VI (z. B. es wird ein Kind erzogen, das nicht einmal vom verstorbenen Expartner sein muss).

Wird das Einkommen angerechnet?
Wie hoch darf ich neben der Erziehungsrente dazuverdienen?

Bei der Berechnung der Einkommensanrechnung spielen viele unterschiedliche Faktoren eine Rolle.

Zunächst kommt es auf die Einkommensart an. Von dieser Einkommensart wird dann zunächst ein Pauschalbetrag abgezogen. Einzelheiten sind in § 18 ff SGB IV geregelt.

Ein Beispiel verdeutlicht dies.
Gerda M. (wohnhaft in Hamburg, 40 Jahre, geschieden und alleinerziehend von einem Kind (8 Jahre) hat ein Bruttoeinkommen als Angestellte von mtl. 3.000 Euro im letzten Jahr verdient (keine Sonderzahlungen). In diesem Jahr hat sie das gleiche Bruttoeinkommen.

Daraus ergibt sich folgende Berechnung:

Bruttoeinkommen mtl.

3.000 €

 

Abzgl. Pauschal

1.200 €

 

= fiktives Nettoeinkommen

 

1.800 €

Von diesem fiktiven Nettoeinkommen wird nun ein Freibetrag abgezogen. Der Freibetrag beträgt (2019):

Für Gerda M.:

   

26,4 x 32,03 (aktueller Rentenfaktor 2019 - West)

845,59 €

 

Für das Kind:

   

5,6 x 32,03 € (aktueller Rentenfaktor 2019 West)

179,37 €

 

Freibetrag (§ 97 SGB VI) gesamt:

 

1.024,96 €

Aus der Differenz des fiktiven Nettoeinkommens und dem Freibetrag:

 

775,04 €

Davon 40 % auf die Rente anrechenbar:

 

310,02 €

Die Erziehungsrente würde in diesem Fall um 310,02 € gekürzt.

Die Kürzung kann jedoch auch geringer ausfallen, wenn Gerda M. durch bestimmte Möglichkeiten ihr Bruttoeinkommen reduziert.

Das Bruttoeinkommen kann beispielsweise durch eine Entgeltumwandlung reduziert werden. So könnte Gerda M. durch eine Entgeltumwandlung Beiträge in eine Unterstützungskasse über den Arbeitgeber einbezahlen. Hierdurch würde dann das Bruttoeinkommen um den Umwandlungsbetrag reduziert.

Noch besser wäre, wenn sie eine Entgeltumwandlung als Direktversicherung mit dem Arbeitgeber vereinbart.

So könnte sie beispielsweise auf 200 Euro Gehalt verzichten und somit ihr Bruttoeinkommen absenken. Durch den Verzicht spart sie direkt mtl. Steuern und auch Sozialversicherungsabgaben.

Bisheriges Bruttoeinkommen:

3.000 €

 

Entgeltumwandlung:

200 €

 

Neues Bruttoeinkommen:

2.800 €

Hierdurch sinkt die Steuer (inkl. Ki.st.) – 46,38 € - und die Sozialabgaben um 39,60 €, also gesamt um 85,98€.

Zusätzlich ist der Arbeitgeber verpflichtet einen 15 %igen Zuschuss (§ 1a Abs. 1a BetrAVG) auf den umgewandelten Beitrag von 200 € zu bezahlen. Viele Arbeitgeber gewähren inzwischen jedoch auch Arbeitgeberzuschüsse zwischen 20-50 %.

Berücksichtigt man in diesem Beispiel nur den Mindestzuschuss des Arbeitgebers, dann ergibt sich folgende Berechnung:

Tatsächlich werden jedoch angespart:

Arbeitnehmer-Bruttoaufwand

200,00 €

 

+ AG-Zuschuss:

30,00 €

 

Gesamtsparbeitrag:

 

230,00 €

Arbeitnehmer-Bruttoaufwand:

200,00 €

 

Abzüglich Steuer-/Sozialversicherungsersparnis:

85,98 €

 

Nettoaufwand:

 

114,02 €

Gertrud M. erhält somit auf Ihren Nettoaufwand (114,02 €) einen Zuschuss durch Steuern, Sozialabgaben und Arbeitgeberbeitrag von 115,98 € (etwas mehr als 100 % Zuschuss).

Interessant ist nun, wie sich diese Direktversicherung auf die Berechnung der Einkommensanrechnung auswirkt:

Bruttoeinkommen mtl.

2.800 €

 

Abzgl. Pauschal

1.120 €

 

= fiktives Nettoeinkommen

 

1.680 €

Von diesem fiktiven Nettoeinkommen wird nun ein Freibetrag abgezogen. Der Freibetrag beträgt (2019):

Für Gerda M.:

   

26,4 x 32,03 (aktueller Rentenfaktor 2019 - West)

845,59 €

 

Für das Kind:

   

5,6 x 32,03 € (aktueller Rentenfaktor 2019 West)

179,37 €

 

Freibetrag (§ 97 SGB VI) gesamt:

 

1.024,96 €

Aus der Differenz des fiktiven Nettoeinkommens und dem Freibetrag:

 

655,04 €

Davon 40 % auf die Rente anrechenbar:

 

262,02 €

Die Erziehungsrente würde in diesem Fall um 262,02 € gekürzt.

Durch den Nettoaufwand von 114,02 € für eine Direktversicherung wird bei der Erziehungsrente 48 € weniger gekürzt.

Somit ist der tatsächliche Mehraufwand für die Direktversicherung 66,02 €. Durch diesen Nettoaufwand erhält Gerda M. eine Direktversicherung, bei der mtl. ein Gesamtbetrag von 230,00 € angespart wird; auf 66,02 € sind dies 248,38 % Zuschuss.

Für Gerda M. bedeutet dies eine zusätzliche Altersversorgung. Diese muss natürlich in der Auszahlungsphase versteuert und in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung verbeitrag werden. Allerdings kann auch der Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag in der Rente entfallen, wenn eine bestimmte Freigrenze nicht überschritten ist. (§ 229 SGB IV i. V. mit § 226 SGB IV)

Eine ähnliche Situation ergibt sich auch bei Witwenrenten / Witwerrenten.

Durch eine betriebliche Altersversorgung – insbesondere eine Direktversicherung – kann eine höhere Hinterbliebenenrente oder auch Erziehungsrente ausgezahlt werden, wenn das eigenes Einkommen beim Arbeitnehmer durch eine Entgeltumwandlung durch diesen Kunstgriff reduziert wird.

Werner Hoffmann

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1.Vorsitzender d. Vorstandes
www.forum-55plus.de e. V.

- Betriebswirt für
betriebliche Altersversorgung (FH),

- Generationenberater (IHK),

- Seniorenberater (Zert. - NWB-Akademie f. Steuerberater, Fachanwälte f. Steuerrecht und Erbrecht)

Mitglied im Fachverband aba - Arbeitsgemeinschaft betrieblicher Altersversorgung

Autor verschiedener Praxis-Fachliteratur zu den Themen:

- betriebliche Altersversorgung
- Betriebsrentenstärkungsgesetz
- bav-Leitfaden für Arbeitgeber

41 verschiedene Notfallordner f. zulassungspflichtige Handwerker

- Betriebswirtschaftliche Beratung in der betrieblichen Altersversorgung
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